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Blog · Media24. Juni 2026

Sichtbar werden, ohne Geheimnisse zu verraten

Die meisten Marketing-Ratschläge sind für Berufsgeheimnisträger unbrauchbar. „Zeigt Eure Erfolge", „nutzt Kundenstimmen", „erzählt Fallgeschichten" — jeder dieser Sätze führt in einer Kanzlei oder Praxis direkt in ein Berufsrechtsproblem. Sichtbarkeit ist trotzdem möglich. Sie funktioniert nur über einen anderen Hebel.

Philipp M. Nellißen, LL.M.
Philipp M. Nellißen, LL.M.
Geschäftsführer · Public Affairs & PR
5 Min. Lesezeit

Das Grundproblem: Der beste Beweis darf nicht erzählt werden

Wer Mandate gewinnt, gewinnt sie über Vertrauen. Vertrauen entsteht klassisch über Referenzen — und genau die sind hier gesperrt. Ein erfolgreich abgewendetes Verfahren, eine gelungene Behandlung, ein gerettetes Unternehmen: Das alles bleibt unter Verschluss, und zwar zu Recht.

Die Konsequenz wird selten gezogen: Wenn das Ergebnis nicht kommuniziert werden darf, muss die Kommunikation über die Methode laufen. Nicht „was wir erreicht haben", sondern „wie wir denken".

Berufsgeheimnisträger verkaufen keine Fälle. Sie verkaufen Urteilsvermögen — und das lässt sich zeigen, ohne einen einzigen Namen zu nennen.

Drei Formate, die berufsrechtlich tragen

In der Praxis haben sich für uns drei Formen bewährt, die substanziell wirken und trotzdem sauber bleiben:

Die erklärte Rechtslage: eine neue Entscheidung, verständlich aufbereitet, mit klarer Einordnung, was sie praktisch bedeutet — kein Mandatsbezug nötig
Der typisierte Fall: die Fallkonstellation, nie der Fall. Zahlen, Branchen und Details verändert, das Muster erhalten
Die Haltungsfrage: eine begründete Position zu einer Entwicklung im Fachgebiet. Nichts baut Autorität schneller auf als eine nachvollziehbar begründete Meinung

Vorsicht bei den Bildern

Der zweite blinde Fleck sind Fotos. Aufnahmen in Praxis- oder Kanzleiräumen zeigen schnell mehr als geplant: einen Aktendeckel mit lesbarem Namen, einen Monitor mit offener Fallakte, im Hintergrund eine wartende Person. Wir planen Shootings deshalb mit einer einfachen Regel — vor der Kamera wird der Raum geräumt, nicht nachträglich retuschiert.

Gleiches gilt für Teamfotos: Sie wirken nur, wenn sie einheitlich sind. Zehn Porträts in zehn verschiedenen Lichtsituationen sagen „zusammengewürfelt", auch wenn das Team es nicht ist.

Was tatsächlich Mandate bringt

Aus unseren Projekten im Rechts- und Gesundheitssektor sehen wir denselben Verlauf: Reichweite ist der schwächste Faktor. Was zählt, ist Wiedererkennbarkeit bei einer kleinen, sehr spezifischen Gruppe — Kolleginnen, die weiterempfehlen, und Entscheider, die schon einmal einen Beitrag gelesen haben.

Deshalb raten wir fast immer zu weniger, dafür deutlich besseren Beiträgen: ein durchdachter Text im Quartal, sauber gestaltet und verlässlich publiziert, schlägt zwanzig hastige Posts. Sichtbarkeit ist hier kein Volumen-, sondern ein Vertrauensproblem.

PR Berufsrecht Content Vertrauen

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