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Case Study · Legal3. Juni 2026

Videosprechstunden für eine Klinik — ohne Datenschutzbedenken

Eine Klinik wollte Videosprechstunden anbieten und stand vor einem Widerspruch: Die verbreiteten Konferenztools waren in Minuten eingerichtet, aber keines ließ sich mit der ärztlichen Schweigepflicht in Einklang bringen. Wir haben deshalb nicht das Tool gewechselt, sondern die Infrastruktur.

Nils Model
Nils Model
Partner · Legal Tech & Cybersecurity
6 Min. Lesezeit

Warum der einfache Weg hier keiner ist

Ärztliche Kommunikation unterliegt nicht nur der DSGVO, sondern auch § 203 StGB. Berufsgeheimnisträger dürfen Dritten keinen Zugang zu geschützten Informationen eröffnen — und ein Anbieter, der Metadaten in Drittstaaten verarbeitet, ist genau das. Die Frage lautet also nicht „Gibt es einen Auftragsverarbeitungsvertrag?", sondern „Wer kann technisch überhaupt zugreifen?".

Diese Unterscheidung entscheidet über die Architektur. Ein Vertrag kann Zugriffe erlauben oder verbieten; nur Technik kann sie verhindern.

Compliance, die man nur unterschreibt, hält im Ernstfall nicht. Compliance, die in der Architektur steckt, schon.

Die Lösung: Laterna auf eigener Bühne

Laterna ist unsere Konferenzlösung auf Basis von BigBlueButton, betrieben ausschließlich auf Servern in Deutschland, in einem ISO-27001-zertifizierten Rechenzentrum. Für die Klinik haben wir eine dedizierte Instanz aufgesetzt — im Corporate Design des Hauses, mit eigener Subdomain, ohne Anmeldung für Patienten.

Entscheidend war das Rollenmodell. Drei Gruppen mit sehr unterschiedlichen Rechten:

Ärztinnen und Ärzte: eröffnen Räume, moderieren, teilen Befunde bildschirmweise statt per Datei
Verwaltung: legt Termine und Räume an, sieht aber keine Inhalte und keine Teilnehmerlisten laufender Sprechstunden
Patienten: treten über einen Einmal-Link bei, ohne Konto, ohne App-Installation
Aufzeichnung: technisch deaktiviert, nicht nur per Richtlinie untersagt

Was in der Praxis wirklich zählte

Die schwierigste Anforderung war nicht juristisch, sondern menschlich: Eine Sprechstunde darf nicht an der Technik scheitern, wenn gegenüber ein 78-jähriger Patient sitzt. Deshalb haben wir alles entfernt, was eine Entscheidung erfordert — kein Warteraum mit Optionen, kein Gerätetest mit sieben Auswahlfeldern. Link öffnen, Mikrofon erlauben, fertig.

Für den Fall, dass es dennoch klemmt, gibt es keinen Ticket-Bot, sondern eine Telefonnummer, die während der Sprechstundenzeiten besetzt ist. Auch das ist Teil der Lösung.

Übertragbar auf Kanzleien und Behörden

Dieselbe Konstellation gilt für Rechtsanwälte, Notare, Steuerberater und Behörden: hohe Vertraulichkeit, geringe technische Fehlertoleranz auf Seiten der Gegenüber. Wir setzen Laterna dort inzwischen in derselben Form ein — dedizierte Instanz, eigenes Rollenmodell, Server in Deutschland, Aufzeichnung nur, wo sie ausdrücklich gewollt und rechtlich zulässig ist.

Laterna DSGVO ISO 27001 Gesundheitswesen

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