Das eigentliche Problem war nie die Technik
Die naheliegende Antwort auf eine analoge Fakultät wäre ein Software-Kauf gewesen. Wir haben stattdessen sechs Wochen zugehört: bei Sekretariaten, im Prüfungsamt, bei Lehrstuhlinhabern und bei Studierenden. Das Ergebnis war eine unbequeme Erkenntnis — die meisten Reibungspunkte entstanden nicht aus fehlenden Werkzeugen, sondern aus Prozessen, die niemand vollständig kannte.
Eine Prüfungsanmeldung durchlief bis zu sieben Stationen, von denen vier lediglich Informationen weiterreichten. Wer das digitalisiert, ohne es vorher zu entwirren, baut ein schnelleres Chaos. Also haben wir zuerst gezeichnet, was tatsächlich passiert, und erst danach entschieden, was überhaupt Software braucht.
Digitalisierung ist zu 30 Prozent Technik und zu 70 Prozent die Frage, wer wofür zuständig ist.
Warum TYPO3 und nicht das Naheliegende
Für den öffentlichen Webauftritt fiel die Entscheidung auf TYPO3 — nicht aus Gewohnheit, sondern wegen der Redaktionsrechte. Eine Fakultät hat Dutzende Menschen, die Inhalte pflegen dürfen, aber sehr unterschiedlich weit. TYPO3 erlaubt ein Rechtemodell, das die reale Organisation abbildet: Ein Lehrstuhl darf seine Seiten redigieren, aber nicht die Prüfungsordnung anfassen.
Für die internen Abläufe kam ein eigenes, schlankes Modul dazu, statt eines Monolithen. Konkret entstanden:
Datenschutz war kein Anhang, sondern der Anfang
Prüfungsdaten sind besonders schützenswert: Sie entscheiden über Berufszugänge. Wir haben deshalb parallel zur Entwicklung ein Verarbeitungsverzeichnis aufgebaut und Löschkonzepte nicht als Dokument, sondern als Funktion umgesetzt. Was nach Ablauf der Frist gelöscht werden muss, verschwindet automatisch — niemand muss daran denken.
Dass Juristen und Informatiker im selben Team saßen, hat dabei mehr gebracht als jede spätere Prüfung. Rechtliche Anforderungen wurden zu technischen Anforderungen, bevor Code entstand, statt danach als Änderungswunsch.
Was wir daraus mitgenommen haben
Erstens: Gewachsene Institutionen brauchen keine Revolution, sondern verlässliche Zwischenschritte. Wir haben in Etappen ausgerollt, jede für sich nutzbar. Zweitens: Persönliche Erreichbarkeit ist ein Feature. In der Prüfungsphase haben wir auch abends Anrufe angenommen — genau daraus entstand das Vertrauen, das das nächste Teilprojekt möglich machte.
Und drittens: Aus dem Projekt wurde 2020 eine GmbH. Die Kombination aus Jura, Informatik und Kommunikation, die an der Fakultät notwendig war, ist heute unser Geschäftsmodell.